Nino MalfattiCurrent
Ausstellungen 2010

Nino Malfatti

 

Bilder aller Zeiten – das zeichnerische Werk

 

Nino Malfatti, Viele schöne Dinge, 1983. 43,3 x 30,2 cm. Tempera, Buntstift / Papier

 

24. Oktober bis 26. Dezember 2010

Wir zeigen eine Auswahl aus dem zeichnerischen Werk des documenta-6-Teilnehmers (1977) Nino Malfatti.

Im Zeitalter der Medienkunst gerät leicht in Vergessenheit, wo die handwerklichen Grundlagen großer Künstler liegen und was jenseits vom reinen Ausloten der Grenzen des technisch Machbaren ihre Antriebskräfte sind.

Werkstattgespräch am 12.12.2010: Nino Malfatti im Gespräch mit Nikolaus Heidelbach
Pdf zum Runterladen hier >>

„…Um aus eigenem Wissen und Können ähnliche Dinge herzustellen, habe ich mich auf den Weg gemacht, die Beschaffenheit der Dinge, die mich interessierten, zu ergründen. Unzählige Skizzen, Studien und Entwürfe entstanden. Ursprünglich waren sie nur als Vorlage für die Malerei gedacht. Doch dann, fast zwangsläufig, wurde mir die eigenständige Qualität einer Zeichnung bewusst…“ (aus einem Statement von Nino Malfatti, 2010)

"…Nahezu retrospektiv wird Malfattis künstlerische Entwicklung der vergangenen vier Jahrzehnte beleuchtet. ...In den über 70 Zeichnungen werden nun 40 Jahre Schaffens- und Entwicklungszeit des Malers deutlich. ...Neuenhaus zeigt groß- und kleinformatige Arbeiten mit Blei- und Buntstift, Kohle oder Pastell und Aquarell, auf Graustufen reduziert oder in anspruchsvollen Farbqualitäten, gesetzt in der präzisen Kontur eines kraftvollen und energischen Strichs oder feinnervig gehauchter Schraffuren. …Das bildnerisch rhythmisierte, immer wieder überraschende ästhetische Zusammen- und Wechselspiel von Realität und Abstraktion, von Vertrautheit und Befremden beherrscht den künstlerischen Mikrokosmos Malfattis. In diesem Spannungsfeld lässt er die formalen bildnerischen Ansprüche mit der Realität korrespondieren und konkurrieren, bewegt er sich interpretatorisch mit Doppeldeutigkeiten, Ironie und Hintersinn. In nahezu akademischer Manier werden im Frühwerk der 1970er Jahre Alltagsgegenstände wie Kleiderbügel, Pflugmesser oder Schuhspanner zum zeichnerischen Thema. Dabei steht die hochgegenständliche Abbildung des Objekts aber nicht im Zentrum des Interesses, sie wird vielmehr zum Mittel für den bildnerischen Zweck. Durch serielle Reihung geben die Objekte der Zeichnung an sich Struktur und ästhetischen Rhythmus. In den 1980er Jahren entdeckt Malfatti die Landschaft, in der er nun seine Alltagsobjekte inszeniert und neue Gegenstände wie Schrauben, Scharniere und Getriebestangen hinzu kommen. Der Realismus eines Landschaftsbildes verliert in dieser Kombination aber schnell jeglichen Bezug zur Wirklichkeit und entwickelt sich zu einer skurrilen bis surreal anmutenden Bilderwelt des Abstrakten und Phantastischen.  Im neuen Jahrtausend verschwinden aus Malfattis Landschaften dann die Objekte des Alltäglichen. Aus einer befreit wirkenden, großen malerischen Geste definieren sich nun die Texturen und Strukturen von Landschaftlichkeit – und die immensen Bildmöglichkeiten gebirgsartiger Formationen. Wie in der Malerei konzentrieren sich die gezeichneten „Berglandschaften“ des Tirolers Malfatti auf alpine Hochgebirgsformationen, Felsen oder Steinbrüche. Doch Malfatti feiert nicht etwa im romantischen Realismus idyllische oder schroffe Gebirgslandschaften oder nutzt gewaltige Natur als Beiwerk: Der Maler löst die gesehene Wirklichkeit aus ihrem Kontext und betrachtet Berge oder Steine als völlig abstrakte Gegenstände, deren unerschöpflichen malerischen Reichtum er sich erschließt und aus denen er die Bildfindung definiert. So, wie Malfatti mit Licht, Schatten, Form und Farbe seine dynamischen Flächen anlegt, wird Landschaft gleichermaßen zum bildnerischen Strukturgeber wie zur hochästhetischen abstrakten Neuschöpfung, aus der sich im Zusammenspiel mit dem Titel oft auch ganz neue, unerwartete Sinnbilder ergeben können. Dabei ist Malfatti kein Geschichtenerzähler, doch seine spannenden und beziehungsreichen Werke geben dem Betrachter stets ausreichend inspirierende Impulse, um seine eigenen Geschichten zu assoziieren. …" Zitiert aus: Thomas Kriegisch in: GN, Grafschafter Nachrichten, 25.10.2010

Nino Malfatti lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellung im Jahr 2000

Es ist ein Katalog erschienen. 

Das Projekt wird gefördert durch das Land Niedersachsen und die Stadt Neuenhaus.

 
 
 
Foto: Helmut Claus
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